Deine Fahrt, einmal ehrlich durchgerechnet
Du brauchst drei Dinge: eine Strecke, die du wirklich fährst, dein ruhiges Tempo und dein schnelles Tempo. Alles andere rechnet die Seite. Du kannst nach jedem Abschnitt aufhören; wer bis unten liest, bekommt am Ende eine Bilanz, die ihn auf allen Seiten begleitet.
Die Seite ist lang, weil sie dieselbe Fahrt aus mehreren Richtungen anschaut: als Zeit, als Sprit, als Geld, als Risiko, als Gefühl. Nimm dir, was dich interessiert. Nichts hier urteilt, es rechnet nur vor.
Autobahn, 30 Kilometer. Du fährst 150 statt 120. Wie viel Zeit holst du raus?
Kein Test, keine Wertung. Schieb den Regler auf deine Schätzung und schau, was die Uhr dazu sagt. Fast alle liegen daneben, und das ist der Grund, warum es diese Seite gibt.
120 km/h brauchen für 30 km genau 15 Minuten, 150 km/h genau 12. Die Differenz von drei Minuten fühlt sich kleiner an, als 30 km/h mehr auf dem Tacho versprechen. Genau das ist der Time-Saving Bias (Svenson 2008, Peer 2010): Wir rechnen Tempo linear, die Zeit ist es nicht.
Stell deine Strecke ein und zwei Tempi
Dein ruhiges Tempo: so fährst du, wenn du Zeit hast. Dein schnelles Tempo: so fährst du, wenn es pressiert. Alles auf dieser Seite rechnet mit diesen drei Reglern. Du kannst sie jederzeit ändern, die Zahlen folgen sofort.
Der Tacho daneben ist etwas anders als der in deinem Auto: Seine Skala zeigt nicht km/h, sondern Minuten je 100 Kilometer. So ein Tacho heißt Paceometer, und er macht sichtbar, was ein normaler Tacho versteckt: Nach rechts hin rücken die km/h-Marken immer enger zusammen. Zwischen 60 und 80 liegt mehr Zeit als zwischen 120 und 240.
- Fahrzeit ruhig
- Fahrzeit schnell
- Du bist früher da um
Warum schneller oben kaum noch etwas bringt
Fahrzeit ist Strecke geteilt durch Tempo. Als Kurve gezeichnet fällt sie links steil ab und wird rechts flach. Das heißt: Dieselben 20 km/h mehr bringen dir im Ort viel, auf der Autobahn fast nichts. Deine beiden Tempi sind als Punkte eingezeichnet.
Dieselben 20 km/h mehr, sieben Mal
Immer 10 Kilometer, immer 20 km/h schneller als vorher. Von 30 auf 50 im Ort sparst du acht Minuten. Von 160 auf 180 auf der Autobahn noch eine halbe. Der Hebel sitzt unten, nicht oben.
Was der Motor dazu sagt
Während die Zeitkurve oben flach wird, geht die Verbrauchskurve erst richtig los. Der Grund ist der Luftwiderstand: Er wächst mit dem Quadrat des Tempos. Doppelt so schnell heißt viermal so viel Gegenwind. Du gibst immer mehr für immer weniger. Wähl dein Auto, trag den aktuellen Spritpreis ein, der Rest rechnet sich.
- Verbrauch bei ruhigem Tempo
- Verbrauch bei schnellem Tempo
- Mehrverbrauch
- Je Stunde Fahrt, ruhig
- Je Stunde Fahrt, schnell
- Mindestlohn 2026, brutto
- 13,90 €
- Mittlerer Stundenlohn, brutto
- ca. 21 €
- Dein Netto-Stundenlohn (Regler unten)
- Deine Arbeitsstunden für eine gekaufte Stunde
Je schneller, desto teurer die gewonnene Stunde (jeweils +20 km/h, 10 km)
Was ist dir eine Stunde wert?
Eine ehrliche Art, das zu beantworten, ist dein Stundenlohn nach Steuern: das, was dir von einer Arbeitsstunde bleibt. Trag ihn ein, dann siehst du, ob dein schnelles Tempo unterm Strich etwas bringt, und bei welchem Tempo Sprit und Zeit zusammen am wenigsten kosten. Keine Sorge, die Zahl bleibt auf deinem Gerät.
- Wert der gesparten Zeit, pro Fahrt
- Mehrkosten Sprit, pro Fahrt
- Saldo pro Fahrt
- Saldo pro Jahr
Nur Sprit und Zeit. Verschleiß fällt pro Kilometer an und verschiebt das Minimum nicht. Das Unfallrisiko mit seiner vierten Potenz würde es nach unten drücken, es lässt sich aber nicht seriös in Euro übersetzen. Ab 130 km/h gilt auf deutschen Autobahnen außerdem die Richtgeschwindigkeit.
Andersherum gefragt: Ich möchte so fahren. Was müsste ich verdienen?
Dieselbe Rechnung rückwärts. Sie sagt dir, ab welchem Stundenlohn dein Wunschtempo rein rechnerisch das günstigste wäre. Vielleicht ist die Antwort egal. Vielleicht ist sie der interessanteste Satz auf dieser Seite.
Alles auf einen Blick: pro Fahrt und pro Jahr
Rechnung für deine Einstellung oben: . Zum Risiko: Schneller fahren erhöht die Gefahr eines tödlichen Unfalls viel stärker, als das Tempo selbst steigt. Ein Drittel mehr Tempo bedeutet gut das Dreifache an Risiko. Das stammt aus dem Potenzmodell des Unfallforschers Nilsson; alle Rechnungen sind Modelle, keine Messwerte für dein Auto.
Pro Fahrt
- Zeit gespart
- Mehrverbrauch
- Mehrkosten Sprit
- Zusätzliches CO₂
- Risiko tödlicher Unfall
- Risiko Unfall mit Verletzten
Pro Jahr
- Zeit gespart
- Mehrkosten Sprit
- Zusätzliches CO₂
- Stunden im eiligen Modus
Die Gegenrechnung
Dieselbe Zeit, null Mehrverbrauch, kein zusätzliches Risiko, und du kommst mit dem Puls an, mit dem du losgefahren bist.
Was du einsetzt, um früher da zu sein
Bis hierher ging es um Minuten und Euro. Jetzt kommt das, worum es eigentlich geht. Die Minuten, die du gewinnst, sind sicher. Die, die du einsetzt, sind eine Wette: Schneller fahren erhöht das Unfallrisiko stärker, als man denkt. Das Risiko aus dem Potenzmodell, die deutsche Unfallstatistik und deine Restlebenserwartung ergeben zusammen, wie viele Minuten Lebenserwartung du statistisch auf den Tisch legst, um die Minuten oben zu gewinnen.
- Restlebenserwartung
- Todesrisiko gelassen, diese Fahrt
- Todesrisiko eilig, diese Fahrt
- Zusätzliches Risiko
Erwartungswert, keine Prognose. Du verlierst nicht 40 Minuten, sondern mit einer Wahrscheinlichkeit von wenigen Millionsteln alles, was übrig ist. Beides mal genommen ergibt die Zahl. Sie ist in derselben Logik gerechnet wie der Zeitgewinn, der ja auch nur im besten Fall eintritt.
Gefühlte Ankunft
Du kennst das vielleicht: Du kommst früher an und bist trotzdem erschöpfter. Anspannung lässt sich nicht messen, nur gewichten, und das kannst nur du. Wie lang fühlt sich für dich eine angespannte Stunde am Steuer an, gemessen in ruhigen Stunden? Faktor 1 heißt: kein Unterschied. Faktor 2: doppelt so lang.
- Ruhige Fahrt, gefühlt
- Schnelle Fahrt, gefühlt
- Kippunkt: ab Faktor
Die Umkehrung zu Fuß
Es gibt einen Ort, an dem Tempo tatsächlich Lebenszeit anzeigt: der Gehweg. In einer Zusammenfassung von neun Studien mit über 34.000 Älteren (Studenski u. a., JAMA 2011) sagte die normale Gehgeschwindigkeit die Lebenserwartung so gut voraus wie Blutdruck, Rauchen oder Krankengeschichte. Wer mit 75 noch 1,0 Meter pro Sekunde geht, hat statistisch deutlich mehr Jahre vor sich als jemand mit 0,6.
Aber das Tempo ist dort ein Zeichen, kein Hebel. Schneller gehen macht nicht älter, es zeigt, dass Herz, Nerven und Muskeln noch zusammenspielen. Am Steuer ist es umgekehrt: Das Tempo zeigt nichts über dich, es setzt etwas von dir ein.
Zu Fuß ist Tempo ein Ausdruck von Leben. Am Steuer ist es ein Einsatz von Leben.
Was von deinem Vorsprung übrig bleibt
Alles von oben auf einer Seite. Links, was du gewinnst. Rechts, was du dafür gibst: Sprit, umgerechnet in Arbeitszeit; Lebenserwartung; Anspannung. Die Zahl darunter nennen wir deinen Friedenssaldo. Sie ist kein Urteil, sondern eine Übersetzung: Wie viele deiner gewonnenen Minuten bleiben übrig, wenn man alles in Zeit zurückrechnet. Sie begleitet dich ab jetzt oben auf jeder Seite.
- Minuten früher da
- Wert zu deinem Stundenlohn
- Mehr Sprit, in Arbeitszeit
- Lebenserwartung, statistisch
- Anspannung, gefühlte Mehrzeit
- Risiko tödlicher Unfall
Rechenweg: Mehrkosten Sprit geteilt durch deinen Netto-Stundenlohn ergibt Arbeitsminuten. Lebenserwartung aus Kapitel 8. Anspannung ist die gefühlte Mehrzeit aus deinem eigenen Faktor. Alles in Minuten, damit es sich mit dem Vorsprung verrechnen lässt. Dass das überhaupt geht, ist selbst schon ein Teil der Frage.
Mitnehmen oder jemandem zeigen
Quellen. Svenson, O. (2008): Decisions among time saving options. Acta Psychologica. Peer, E. (2010): Speeding and the time-saving bias. Accident Analysis & Prevention. Peer, E. & Gamliel, E. (2013): Pace and speed: the Paceometer. Nilsson, G. (2004): Traffic safety dimensions and the power model, Lund University; Elvik, R. (2009/2013) zur Neuschätzung der Exponenten. Studenski, S. u. a. (2011): Gait Speed and Survival in Older Adults, JAMA 305(1). Unfallraten: Destatis, Verkehrsunfälle 2023, Getötete je Fahrleistung nach Ortslage, gerundet. Restlebenserwartung: Destatis Sterbetafel 2021/23, beide Geschlechter gemittelt und interpoliert.
Modellannahmen Lebenszeit. Eingesetzte Lebenszeit = (Todesrisiko eilig minus Todesrisiko gelassen) × Restlebenserwartung. Das Todesrisiko gelassen ist Strecke × mittlere Getötetenrate der Straßenart; eilig wird es mit (v₂/v₁)⁴ skaliert. Die mittlere Rate enthält schon alle Tempi und Fahrertypen, deshalb ist die Rechnung grob. Schwerverletzte und das Risiko für andere sind nicht enthalten. Die gefühlte Zeit ist keine Messung, der Faktor ist deine eigene Einschätzung.
Modellannahmen Verbrauch. Verbrauch pro 100 km = a + b × (v/100)². Der konstante Anteil a steht für Rollwiderstand und Nebenverbraucher, der Anteil b für den Luftwiderstand. Kleinwagen 3,6 + 2,0 L; Mittelklasse 4,2 + 2,4 L; SUV 5,0 + 3,4 L; E-Auto 9 + 9 kWh. Preise frei einstellbar, Startwerte 1,75 €/L Benzin und 0,45 €/kWh Strom (öffentliches Laden). CO₂: 2,33 kg/L Benzin, 0,38 kg/kWh deutscher Strommix. Unterhalb von etwa 60 km/h stimmt die Parabel für Verbrenner nicht mehr, dort frisst der schlechte Motorwirkungsgrad den Vorteil; Gangwahl, Wind, Steigung und Beladung verschieben alles. Risiko tödlicher Unfall ∝ (v₂/v₁)⁴, Unfall mit Verletzten ∝ (v₂/v₁)². Alle Zeiten gelten für freie Fahrt ohne Stau, Baustelle oder Tempolimit, also für den besten Fall des Eiligen.